Das ESN Designer Protein Extra Creamy ist die neueste Variante des wohl bekanntesten Proteinpulvers aus dem ESN-Sortiment. Die Grundrezeptur aus Molkenproteinkonzentrat und Molkenproteinisolat bleibt, dazu kommt jetzt Calciumcaseinat. Das Versprechen steckt schon im Namen: Ein spürbar cremigerer Shake. Ich habe die drei Startsorten getestet, mir die Rezeptur genauer angeschaut und nachgeprüft, was die Wissenschaft zu den vermeintlichen Vorteilen von Casein sagt.
Bisher war die Aufteilung bei ESN klar: Das Basic Whey setzt ausschließlich auf Molkenproteinkonzentrat und ist die preisbewusste Wahl. Das Designer Whey kombiniert Konzentrat mit Isolat und ist das Aushängeschild der Marke. Das Designer Whey Extra Creamy reiht sich jetzt als dritte Lösung unter den klassischen Shakes ein und unterscheidet sich vor allem durch den zusätzlichen Casein-Anteil.
| Basic Whey | Designer Whey |
Designer Protein extra creamy |
|
|---|---|---|---|
| Whey Konzentrat | Ja | Ja | Ja |
| Whey Isolat | Nein | Ja | Ja |
| Casein | Nein | Nein | Ja |
| Dosengröße | 1000g | 908g | 480g |
| Preis/kg | 36,90€ | 50,55€ | 58,13€ |
Beim Eiweißgehalt macht ESN keine Abstriche. Mit bis zu 80 g Protein pro 100 g Pulver liegt das Extra Creamy je nach Sorte sogar über vielen Sorten des regulären Designer Whey.
Casein ist das zweite große Milchprotein neben Molke. Der entscheidende Unterschied liegt in der Verdauung. Casein gerinnt im sauren Milieu des Magens und wird dadurch langsamer abgegeben. Die Aminosäuren gelangen also über mehrere Stunden gleichmäßiger ins Blut, während Whey schnell anflutet und ebenso schnell wieder abfällt.
Die Nachteile: Es löst sich oft etwas schwerer, kann klumpen, und wer Milchprodukte schlecht verträgt, merkt einen hohen Casein-Anteil eher im Bauch. Für den Post-Workout-Shake ist die langsamere Aufnahme zudem kein Vorteil, dafür bleibt Whey mit seinem hohen Leucingehalt und der schnellen Verfügbarkeit die bessere Wahl.
Das bekannteste Casein-Argument lautet: Abends einnehmen, über Nacht versorgt sein, mehr Muskeln aufbauen. Ganz aus der Luft gegriffen ist das nicht, die Datenlage ist aber dünner, als das Marketing vermuten lässt.
Belegt ist, dass Protein vor dem Schlafen verdaut wird und die Muskelproteinsynthese über Nacht erhöht. In der bekanntesten Langzeitstudie von Snijders und Kollegen aus 2015 baute die Gruppe mit einem Protein-Drink vor dem Schlafen über zwölf Wochen mehr Kraft und Muskelmasse auf als die Placebo-Gruppe. Nur nahm sie dadurch auch insgesamt deutlich mehr Eiweiß am Tag zu sich, rund 1,9 gegenüber 1,3 g pro Kilogramm Körpergewicht. War es also der Zeitpunkt oder einfach die Menge?
Die Gegenprobe liefert Joy und Kollegen aus 2018: Gleiche Menge Casein, einmal tagsüber, einmal abends, kein Unterschied bei Muskelmasse und Kraft. Ein Review von Reis und Kollegen aus 2021 sieht es ähnlich. Entscheidend ist deine tägliche Gesamtmenge Eiweiß, nicht die Uhrzeit. Ein Shake am Abend ist ein bequemer Weg dorthin, aber kein Muskelaufbau-Turbo. Und weil im Extra Creamy nach wie vor überwiegend Molkenprotein steckt, ist es ohnehin kein echtes Nachtprotein. Dafür bräuchtest du ein reines Casein oder ein Mehrkomponentenprotein.
Ein Blick zurück macht die Sache noch interessanter. ESN hatte vor einigen Jahren schon einmal ein Bedtime Protein im Sortiment, ebenfalls mit Casein und ähnlich zusammengesetzt wie das Extra Creamy heute. Damals lief die Vermarktung über das Versorgungs-Versprechen für die Nacht, heute über die Cremigkeit. Dass ESN diesmal nicht mit dem Nacht-Argument wirbt, passt zur Studienlage und ist ehrlicher als beim Vorgänger.
Eine Frage lässt sich bei dieser Rezeptur nicht vermeiden. Calciumcaseinat ist in der Anschaffung deutlich günstiger als Molkenproteinisolat. Wer einen Teil des Isolats durch Caseinat ersetzt, senkt also die Rohstoffkosten, und das in einer Phase, in der Molkenprotein in den letzten Jahren spürbar teurer geworden ist. Wie hoch der Casein-Anteil genau ist, gibt ESN nicht an.
Auf den Kilopreis gerechnet ist das Extra Creamy mit 58,13€ aber sogar noch mal deutlich teurer als das reguläre Designer Whey. Das liegt bei 50,55 Euro pro Kilogramm, das Basic Whey bei 36,90 Euro. Das Extra Creamy ist also die mit Abstand teuerste der drei Optionen, und das bei einer Rezeptur, deren Rohstoffe in der Anschaffung günstiger sind.
Fairerweise: Das Ergebnis im Glas ist nicht schlechter, der Eiweißgehalt stimmt, und die Cremigkeit ist real. Aus Verbrauchersicht ist die Rezeptur also kein Rückschritt. Ein Aufpreis gegenüber dem normalen Designer Whey lässt sich mit den Zutaten aber nicht begründen.
ESN startet bewusst mit drei klassischen Sorten: Vanilla Milk, Dark Cookies & Cream und Hazelnut Nougat. Alle drei habe ich mit Wasser und mit Milch angemischt.
Das Versprechen hält: Der Shake ist tatsächlich deutlich cremiger als das normale Designer Whey. Schon mit Wasser wirkt er voller und weniger wässrig, mit Milch geht er fast in Richtung Milchshake á la McDonald's. Wer bisher das Gefühl hatte, dass Whey mit Wasser „dünn“ schmeckt, wird hier den größten Unterschied merken.
Bei der Geschmacksintensität sieht es anders aus. Keine der drei Sorten schmeckt auffällig intensiver als die entsprechenden Sorten des regulären Designer Whey. Die Cremigkeit transportiert den Geschmack etwas runder, mehr Aroma bekommst du aber nicht.
Bei Cookies-and-Cream-Sorten bin ich grundsätzlich skeptisch. Die meisten schmecken undefinierbar und gleichzeitig austauschbar, irgendwas zwischen Keks, Vanille und Süßstoff, ohne dass du sagen könntest, was genau da drin sein soll. Umso größer die Überraschung: Dark Cookies & Cream ist mit Abstand mein Favorit. Die Sorte trifft die Oreo-Richtung richtig gut, dunkler Keks mit Cremefüllung, und genau hier zahlt die Cremigkeit am meisten ein. Vanilla Milk ist solide und unauffällig, also die Sorte, von der du auch nach der dritten Woche nicht genug hast. Hazelnut Nougat fällt dagegen ab. Nuss-Nougat-Aromen wirken in Pulverform schnell künstlich, und das ist hier auch so.
| Sorte | Geschmack |
|---|---|
|
Dark Cookies & Cream |
9,5/10 |
| Vanilla Milk | 8/10 |
| Hazelnut Nougat | 5,5/10 |
Das ESN Designer Whey Extra Creamy macht, was der Name verspricht. Der Shake ist spürbar cremiger, Der Eiweißgehalt liegt mit bis zu 80 g pro 100 g sogar über vielen regulären Designer Whey Sorten.
Der wunde Punkt ist der Preis. Das Extra Creamy ist teurer, obwohl das Caseinat im Einkauf günstiger ist. Zum Start gibt es aber 30 Prozent Launch-Rabatt, denn am Mittwoch, den 23.09.2026, startet bei ESN die Champions Week. Damit sind es rund 19,50 Euro pro Dose und etwa 41 Euro pro Kilogramm.
Heißt: Wenn dir normales Whey zu wässrig ist, greif während der Aktion zu, am besten zu Dark Cookies & Cream. Zum regulären Preis ist die Cremigkeit ein ziemlich teures Extra.