"Schokolade hing an der fünf Meter hohen Decke"


Supplemania: René, die meisten unserer Leser haben wahrscheinlich schon mal einen Proteinriegel gegessen, den du mitentwickelt hast, ohne es zu wissen. Du hast zum Beispiel den ESN Designer Bar mitentwickelt, bevor du fayn gegründet hast. Aber der Anfang war alles andere als glatt, oder?

René: Das stimmt. Und der Anfang war wirklich brutal. Zweieinhalb Wochen vor der FIBO lief damals gar nichts. Der ganze Stand war schon gebrandet, aber wir hatten keine einzige fertige Charge. Das Problem war: Der Teig war so klebrig, dass er auf dem Produktionsband hängen geblieben ist. Irgendwann läuft das Band zu Ende und der Teig ist direkt in die Schokoladenmaschine, in die Walzen geraten. Dann hat sich alles aufgeschaukelt. Schokoladenmaschinen sind explodiert. Wir hatten 150 Kilogramm flüssige Schokolade auf dem Flur. Zehn Maschinen kaputt, weil eine einzige Schraube abgebrochen und in die Pumpe geraten ist.

Supplemania: Und wie bist du da rausgekommen?

René: Ich musste die Maschinen danach in- und auswendig kennen. Am Ende hat mich der Maschinenhersteller selbst eingeladen, um bei anderen Riegel-Produktionen zu helfen. Ich hatte schlicht mehr Know-how über die Maschinen im Proteinriegel-Bereich als die Anlageningenieure selbst.

Wie ein Riegel entsteht: von der Idee bis zum Geschmack


Supplemania: Wenn die Produktion steht, wie entwickelt ihr dann eigentlich neue Sorten?

René: Man unterteilt den Riegel in seine Komponenten: Teig, Füllung, Schokolade, Pressung. Dann überlegt man, wie man den gewünschten Geschmack über diese vier Elemente abbildet. Nehmen wir unseren Strawberry Matcha als Beispiel, das war unser kompliziertester Riegel überhaupt. Allein bei der Matcha-Intensität und der Süße haben wir ewig diskutiert.

Ganz klassisch: Die Mädels haben die Kreditkarte bekommen und sind Matcha trinken gegangen. Ich schätze, die haben für 500 bis 600 Euro Matcha konsumiert. Ich habe irgendwann nur noch gefragt, ob es gut schmeckt, und ihnen vertraut.

Am Ende haben wir uns an Ritter Sport orientiert, die setzen auch 1,5 Prozent Matcha in ihrer Schokolade ein. Beim Teig sind wir dann noch subtiler geblieben, ich wollte Innovation zeigen, aber nichts von dem kaputt machen, was bei fayn als Basis gut läuft.


Supplemania: Und eine intensivere Version kommt noch?

René: Ja, die kommt. Die Version 2 mit mehr Matcha-Intensität ist geplant. Wir skalieren das so, wie wir es auch bei Coffee gemacht haben, von leicht bis stark, damit der Konsument weiß, wo auf der Skala er sich befindet.

Kollagen im Proteinriegel: Billiger Füllstoff oder sinnvolle Zutat?

Supplemania: Kollagen in Proteinriegeln ist gerade ein vieldiskutiertes Thema. Was sagst du dazu?

René: Kollagen ist hauptsächlich aus Texturgründen drin. Wenn du Kollagen in Wasser rührst, löst es sich zu 100 Prozent auf. Milchprotein dagegen wird dickflüssig. Du bekommst mit Kollagen schlicht mehr Pulver in eine begrenzte Menge Flüssigkeit, ohne dass der Teig zu trocken oder klumpig wird. Das ist der Hauptgrund.

Dazu kommt die Wasserbindefähigkeit. Ein Proteinriegel ohne Kollagen wird nie ans Mindesthaltbarkeitsdatum rankommen wie einer mit Kollagen. Das ist Stand heute einfach technisch noch nicht möglich.

Supplemania: Aber es wird ja auch gesagt, Kollagen sei billiger als Milchprotein und dient als Füllstoff, um Kosten zu sparen.


René: Die Zeiten, in denen Kollagen günstig war, sind vorbei. Durch den globalen Kollagen-Hype sind die Preise für Kollagen-Peptide massiv gestiegen. Die einzige Komponente, die zuletzt günstiger geworden ist, war Kakao. Das hat uns geholfen, die Preise stabil zu halten. Aber im Proteinbereich sehen wir aktuell kein Ende beim Preisanstieg.

Bald auch kollagenfreie Riegel bei fayn

Supplemania: René, bevor wir zum Markt kommen: Kannst du uns einen Sneak Peak geben, was bei fayn in nächster Zeit noch kommt?

René: Ich kann schon mal verraten, dass wir auf jeden Fall mit einem 45-Gramm-Riegel ohne Kollagen kommen werden. Und der ist komplett auf Geschmack getrimmt. Ich gehe bewusst weg von dem Trend, den wir gerade überall sehen: 60, 65 Gramm Riegel mit 20 Gramm Protein und drei Gramm Kollagen oder Creatin drin. Das ist meiner Meinung nach Marketing.

Supplemania: Warum siehst du das so kritisch?

René: Creatin ist das günstigste Supplement, das man kaufen kann. Das muss ich nicht in einen Riegel quetschen, um ihn 50 Cent teurer zu verkaufen. Lieber ein paar Gramm weniger Protein und dafür zu 100 Prozent auf Geschmack. Das Ding muss besser schmecken als ein Snickers, sonst gibt es keinen Grund, das Geld auszugeben. Das schreibe ich mir ganz oben auf die Stirn.

Inspiration oder Kopie? Wie fayn den Markt definiert


Supplemania: In letzter Zeit haben andere Marken gerne mal sehr ähnliche Riegel-Launches hingelegt. Wie siehst du das?

René: Habt ihr mal beobachtet, wie lange es auf dem Riegel-Markt ruhig war? Dann kam ich mit fayn und habe eine Geschmacksrichtung nach der anderen rausgebracht. Und plötzlich ging die Welle los. 18 Sorten in zwei Jahren, das hatte der Proteinriegel-Markt in Deutschland vorher nicht gesehen. Diese Vielfalt und Geschwindigkeit, die kannte man vielleicht aus dem Eiskaffee-Bereich, aber nicht bei Riegeln. Ich denke schon, dass wir damit den Markt nochmal angekurbelt haben.

Supplemania: Siehst du das als Angriff oder als Kompliment?

René: Ehrlich gesagt als beides. Ich finde gut, was auf dem Markt passiert. Wenn einer allein ganz vorne ist, kann er sich schnell ausruhen. Konkurrenz belebt das Geschäft, das stimmt. Und für uns als Konsumenten gibt es gerade mehr Auswahl als je zuvor.

Supplemania: Und wie viele neue Sorten kommen von fayn noch dieses Jahr?

René: Fünf Geschmacksrichtungen sind noch geplant. Nur bei einem Riegel, aber da kommt noch mehr ...