Protein Shakes, Protein Puddings und Protein Riegel sind aus den Supermarktregalen längst nicht mehr wegzudenken. Doch aktuell rückt ein anderer Bestandteil unserer Ernährung immer stärker in den Fokus: Ballaststoffe. Unter dem Begriff „Fibermaxxing“ hat sich vor allem in den sozialen Medien ein Trend entwickelt, bei dem gezielt versucht wird, möglichst ballaststoffreiche Lebensmittel in die tägliche Ernährung einzubauen.
Ganz unbegründet ist der Fokus nicht. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt Erwachsenen eine tägliche Ballaststoffzufuhr von mindestens 30 Gramm. Ballaststoffe spielen unter anderem für die Verdauung und Sättigung eine Rolle. Zu den klassischen Quellen gehören Vollkornprodukte, Hülsenfrüchte, Gemüse, Obst, Nüsse und Samen.
Tatsächlich erreichen viele Menschen die empfohlene Menge nicht. Daten der Nationalen Verzehrsstudie II, auf die sich auch die DGE bezieht, zeigen eine durchschnittliche Zufuhr von 18 Gramm pro Tag bei Frauen und 19 Gramm bei Männern. Damit blieb die Ballaststoffzufuhr in der Erhebung deutlich unter dem empfohlenen Richtwert von mindestens 30 Gramm pro Tag.
Dass inzwischen immer mehr Produkte mit zusätzlichen Ballaststoffen auf den Markt kommen, überrascht also kaum. Auch Oatly greift den Trend auf und spricht bei seinen neuen Produkten selbst gezielt „Fibermaxxing Fans“ an.
Mit Fiber Low Calorie und Fiber Barista Edition erweitert Oatly sein Sortiment gleich um zwei ballaststoffreiche Haferdrinks. Beide kommen auf 2 Gramm Ballaststoffe pro 100 Milliliter. Bei einer Portion von 250 Millilitern sind das 5 Gramm, bei einem ganzen Liter ntsprechend 20 Gramm. Oatly selbst stellt vor allem die 20 Gramm pro Liter prominent heraus.
Die Fiber Barista richtet sich vor allem an alle, die ihren Haferdrink für Kaffee und andere Heißgetränke nutzen möchten. Die Low Calorie Variante geht dagegen stärker in Richtung Fitness und kalorienbewusste Ernährung. 20 Gramm Ballaststoffe pro Liter hören sich erst einmal nach ziemlich viel an. Im Alltag kommt es aber darauf an, wie viel davon tatsächlich im Glas oder Kaffee landet. BeiOatlys Portionsgröße von 250 Millilitern bleiben davon 5 Gramm übrig. Wer von der Barista Edition beispielsweise nur 100 Milliliter für seinen Kaffee verwendet, kommt auf 2 Gramm Ballaststoffe. Das trägt zur täglichen Zufuhr bei, die empfohlene Menge von mindestens 30 Gramm ist damit aber natürlich noch lange nicht erreicht.
Bei der Low Calorie Variante sieht es etwas anders. Oatly positioniert sie selbst auch für die Fitness Zielgruppe. Werden beispielsweise 300 Milliliter für einen Shake verwendet, kommen 6 Gramm Ballaststoffe zusammen. Das entspricht bereits einem Fünftel des DGE Richtwerts.
Beim Ballaststoffgehalt unterscheiden sich die beiden Neuheiten nicht. Sowohl die Fiber Low Calorie als auch die Fiber Barista Edition liefern 2 Gramm Ballaststoffe pro 100 Milliliter. Bei den übrigen Nährwerten sieht es dagegen anders aus.
Die Fiber Low Calorie kommt auf lediglich 20 Kalorien pro 100 Milliliter und enthält laut Oatly keinen Zucker. Möglich wird das unter anderem durch einen deutlich geringeren Haferanteil von nur 2 Prozent. Die Fiber Barista enthält dagegen 10 Prozent Hafer und kommt auf 63 Kalorien sowie 0,6 Gramm Zucker pro 100 Milliliter. Für die zusätzlichen Ballaststoffe sorgen bei beiden Varianten unter anderem Zichorienwurzelfasern und lösliche Maisfasern.
Spannend ist vor allem der Vergleich mit der klassischen Oatly Barista Edition. Diese enthält ebenfalls 10 Prozent Hafer, liefert aber nur 0,8 Gramm Ballaststoffe pro 100 Milliliter. Die neue Fiber Barista kommt mit 2 Gramm auf das Zweieinhalbfache. Gleichzeitig enthält die klassische Barista 3,4 Gramm Zucker und 61 Kalorien pro 100 Milliliter.
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Nährwerte pro 100 ml |
Fiber Low Calorie | Fiber Barista | klassische Barista |
|---|---|---|---|
| Kalorien | 20 kcal | 63 kcal | 61 kcal |
| Fett | 0,8 g | 3,0 g | 3,0 g |
| Kohlenhydrate | 1,8 g | 6,8 g | 7,1 g |
| Zucker | 0 g | 0,6 g | 3,4 g |
| Ballaststoffe | 2,0 g | 2,0 g | 0,8 g |
| Eiweiß | 0 g | 1,0 g | 1,1 g |
| Haferanteil | 2% | 10% | 10% |
Der Unterschied zur klassischen Barista ist durchaus relevant. Wer 250 Milliliter Fiber Barista trinkt, kommt auf 5 Gramm Ballaststoffe. Bei der gleichen Menge der klassischen Barista wären es nur 2 Gramm. Das sind immerhin 3 Gramm zusätzliche Ballaststoffe pro 250 Milliliter.
Die neuen Drinks sind damit mehr als nur Produkte, auf die Oatly das Wort „Fiber“ gedruckt hat. Die zugesetzten Fasern erhöhen den Ballaststoffgehalt tatsächlich deutlich. Wie viel das im Alltag bringt, hängt aber stark davon ab, wie viel von dem jeweiligen Drink konsumiert wird.
Gleichzeitig bleibt wichtig: Ein angereicherter Haferdrink ersetzt keine insgesamt ballaststoffreiche Ernährung. Vollkornprodukte, Hülsenfrüchte, Gemüse, Obst, Nüsse und Samen bleiben wichtige Quellen, um die tägliche Zufuhr zu decken. Wer seine Ballaststoffzufuhr stark erhöht, sollte dies außerdem schrittweise tun, da größere Mengen unter anderem zu Blähungen und Magen Darm Beschwerden führen können.
Proteinprodukte haben in den vergangenen Jahren gezeigt, wie groß ein Ernährungstrend werden kann. Aktuell rücken Ballaststoffe immer stärker in diese Richtung. Für Marken wie Oatly ist es daher naheliegend, das eigene Sortiment um Produkte mit einem zusätzlichen funktionalen Nutzen zu erweitern. Mit den beiden Fiber Drinks greift das Unternehmen diesen Trend ziemlich deutlich auf.
Das passiert zu einem Zeitpunkt, an dem Oatly wirtschaftlich wieder Boden gutmachen möchte. Nach mehreren schwierigen Jahren und hohen Verlusten sieht es zuletzt wieder besser aus. Im zweiten Quartal 2026 setzte Oatly rund 240 Millionen US Dollar um und damit 15,2 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Gleichzeitig fiel der Nettoverlust deutlich geringer aus. Für das Gesamtjahr rechnet das Unternehmen mittlerweile sogar mit einem positiven bereinigten EBITDA.
Die Krise ist damit noch nicht vollständig abgehakt, die Richtung stimmt aber. Ob ausgerechnet die neuen Fiber Produkte dazu einen größeren Beitrag leisten können, bleibt abzuwarten. Mit dem aktuellen Ballaststoff Hype hat Oatly zumindest einen Trend aufgegriffen, der gut zur eigenen Produktwelt passt.
Die neuen Fiber Drinks passen ziemlich gut zum aktuellen Ballaststoff Hype. Nur Marketing steckt hinter den Produkten aber nicht. Mit 2 Gramm Ballaststoffen pro 100 Milliliter ist der beworbene Mehrwert tatsächlich vorhanden.
Besonders interessant ist die Fiber Low Calorie. Mit nur 20 Kalorien pro 100 Milliliter lässt sich die Ballaststoffzufuhr erhöhen, ohne gleichzeitig viele zusätzliche Kalorien aufzunehmen. Aber auch die Fiber Barista bietet einen klar höheren Ballaststoffgehalt als die klassische Variante.
Wie groß der Benefit am Ende tatsächlich ausfällt, hängt allerdings von der konsumierten Menge ab. Die beworbenen 20 Gramm pro Liter klingen zunächst beeindruckend, im Alltag werden daraus bei 250 Millilitern 5 Gramm und bei 100 Millilitern noch 2 Gramm. Gerade bei der Barista Variante sollte man die große Zahl auf der Packung deshalb in Relation zur eigenen Portionsgröße betrachten.
Ein Wundermittel gegen eine zu geringe Ballaststoffzufuhr sind die neuen Drinks natürlich trotzdem nicht. Wer ausreichend Vollkornprodukte, Hülsenfrüchte, Obst, Gemüse, Nüsse und Samen isst, ist nicht auf angereicherte Haferdrinks angewiesen. Wer im Alltag allerdings Schwierigkeiten hat, auf genügend Ballaststoffe zu kommen, kann mit den neuen Oatly Produkten relativ unkompliziert ein paar zusätzliche Gramm aufnehmen.
Unterm Strich springt Oatly mit Fiber Low Calorie und Fiber Barista also definitiv auf einen aktuellen Ernährungstrend auf. Anders als bei manchem Functional Food steckt hinter dem Versprechen hier aber auch ein messbarer Unterschied.