Ist Milchproteinisolat die Lösung?

Mit dem Milky Protein Isolat ZERO-L bringt Rühl24 ein neues Proteinpulver auf den Markt, das auf den ersten Blick wie ein weiteres Isolat im Regal wirkt. Der zweite Blick lohnt sich, denn im Beutel steckt kein Whey, sondern laktosefreies Milchproteinisolat mit 85 % Eiweiß. Und das zu einem Preis, der sich in Zeiten explodierender Whey-Kosten fast schon nostalgisch anfühlt: 21,95 Euro für ein Kilo.

Wir haben uns angeschaut, was hinter dem Produkt steckt, wo die Unterschiede zu Whey liegen und ob Milchprotein die Lücke im Budget wirklich füllen kann.

Whey Protein wird langsam zum Luxusprodukt

Zur Erinnerung: Der Rohstoffpreis für WPC80, also klassisches Whey Protein Konzentrat, hat sich innerhalb von rund drei Jahren mehr als verdreifacht. Anfang 2023 zahlten Hersteller noch etwa 4,90 Euro pro Kilogramm Rohstoff, aktuell sind bereits über 25 Euro. Warum das so ist und mit welchen Tricks manche Marken ihr Whey inzwischen strecken, haben wir bereits ausführlich analysiert.


Die Folgen spürt jeder an der Kasse. Auch Rühl24 ist davon nicht ausgenommen: Selbst der Shop von Markus Rühl, der traditionell damit wirbt, sein Geld lieber in Rohstoffe als in Influencer zu stecken, hat zuletzt an der Preisschraube gedreht. Das Whey Protein Konzentrat liegt aktuell bei 27,95 Euro, das Whey Protein Isolat 90 bei 32,95 Euro pro Kilo. Für Rühl-Verhältnisse ist das viel, im Marktvergleich allerdings immer noch moderat, wie ein Blick auf die aktuellen Kurse zeigt.

Genau in diese Gemengelage platziert Rühl24 jetzt ein Produkt, das die Preisfrage anders beantwortet: nicht mit einem billigeren Whey, sondern mit einer anderen Proteinquelle.

Milky Protein Isolat: Das steckt im neuen Rühl24-Protein

Das neue Milky Protein Isolat ZERO-L ist ein Milchproteinisolat (Milk Protein Isolate, kurz MPI). Die Zutatenliste der Pur-Version ist erfreulich kurz: Milchproteinisolat und Sonnenblumenlecithin als Emulgator, sonst nichts. Die aromatisierten Sorten kommen zusätzlich mit Aroma und Sucralose. Zum Start gibt es sechs Varianten: Pur, Vanille, Milchschokolade, Cookie Dough, Erdbeere und Cookies and Cream mit Stückchen.

Die Nährwerte der Pur-Version pro 100 g:

Nährwerte pro 100 g
Brennwert  1476 kJ (348 kcal)
Fett  0,8 g
davon gesättigte Fettsäuren   0,6 g
Kohlenhydrate  0,1 g
davon Zucker  0,1 g
Eiweiss  85 g
Salz  0,3 g

Bei den aromatisierten Sorten sinkt der Proteingehalt minimal auf 84g, bei Milchschokolade wegen des Kakaoanteils auf 80g. Das sind Isolat-Werte, wie man sie sonst von deutlich teureren Produkten kennt. Praktisch keine Kohlenhydrate, kaum Fett, dazu laut Aminogramm 9,2 g Leucin pro 100 g Protein. Wir haben die Sorte Vanille inzwischen probiert: Der Shake wird sehr cremig und auffallend dickflüssig, der Vanillegeschmack ist angenehm und nicht zu süß. Insgesamt solide, aber auch nichts, was geschmacklich aus der Masse heraussticht.

Whey vs. Milchprotein: Wo liegt eigentlich der Unterschied?

Kuhmilch enthält zwei Proteinfraktionen: Rund 80 Prozent Casein und rund 20 Prozent Molkenprotein, also Whey. Für Whey wird nur der Molkenanteil verwendet, der als Nebenprodukt der Käseherstellung anfällt. Milchproteinisolat wird dagegen direkt aus Magermilch gefiltert und behält das natürliche Verhältnis beider Fraktionen. Du bekommst also ein Protein, das zu vier Fünfteln aus Casein besteht, quasi ein Mehrkomponenten-Protein direkt aus der Natur.

Das hat spürbare Konsequenzen. Whey wird schnell verdaut und lässt die Aminosäurespiegel im Blut zügig ansteigen, weshalb es als Klassiker nach dem Training gilt. Casein bildet im Magen eine Art Gel und gibt seine Aminosäuren über mehrere Stunden ab. Studien zeigen entsprechend, dass Whey die Muskelproteinsynthese akut stärker anregt als Casein. Über den Tag betrachtet relativiert sich dieser Vorteil aber deutlich: Für den Muskelaufbau ist die tägliche Gesamtproteinzufuhr wichtiger als das perfekte Timing oder die Aufnahmegeschwindigkeit. Die langsame Verdauung hat sogar Vorteile, etwa als sättigender Shake in der Diät oder als Protein vor dem Schlafen, wo Casein die nächtliche Regeneration unterstützen kann.

Übrigens ist auch der wirtschaftliche Unterschied interessant: Weil Whey am Käsemarkt hängt und die Molkemenge nicht beliebig skalierbar ist, trifft die explodierende Nachfrage dort auf ein begrenztes Angebot. Milchprotein wird direkt aus Milch gewonnen und ist von diesem Engpass weniger betroffen.

Die möglichen Probleme von Milchprotein

So weit, so gut. Milchprotein hat allerdings ein paar Eigenheiten, die man kennen sollte. Der größte Knackpunkt ist normalerweise die Laktose: Klassisches Milchprotein und auch viele Caseine enthalten je nach Filtrationsgrad noch Restlaktose. Wer empfindlich auf Milchzucker reagiert, bekommt damit schneller Probleme als mit einem hochgereinigten Whey Isolat.

Dazu kommt die Konsistenz. Durch den hohen Caseinanteil dickt Milchprotein im Shaker stärker an als Whey. Manche mögen genau diese cremige, fast puddingartige Textur, andere empfinden sie als schwer. Ähnliches gilt für das Magengefühl: Die langsame Verdauung kann direkt nach dem Training oder vor einer Einheit als Völlegefühl wahrgenommen werden. Und wer auf maximale Leucin-Zufuhr pro Portion optimiert, liegt mit Whey weiterhin leicht vorn, denn dort sind eher 10 bis 11 g Leucin pro 100 g Protein üblich statt der 9,2 g im Milky Protein.

Ein Punkt noch der Vollständigkeit halber: Bei einer echten Milcheiweißallergie hilft auch die Laktosefreiheit nichts, denn das Allergen ist hier das Protein selbst, allen voran Casein.

ZERO-L: Deshalb ist das Milky Protein laktosefrei

Das Laktose-Problem geht Rühl24 mit seinem hauseigenen ZERO-L-Label an. Produkte mit diesem Logo sind laktosefrei, dürfen in Deutschland also üblicherweise höchstens 0,1 g Laktose pro 100 g enthalten. Beim Milky Protein passt das zur Nährwerttabelle, die insgesamt nur 0,1 g Kohlenhydrate pro 100 g ausweist. Damit fällt der klassische Hauptgrund weg, der laktoseintoleranten Sportlern den Griff zum Milchprotein bisher verleidet hat. Wie genau die Restlaktose entfernt wird, verrät die Produktseite nicht, üblich sind enzymatische Spaltung per Laktase oder zusätzliche Filtrationsschritte.

Interessant ist das auch deshalb, weil laktosefreie Proteine bei anderen Herstellern gerne mit einem Premium-Aufschlag verkauft werden. Hier ist es das günstigste Pulver im Sortiment.

Die Preisfrage: So viel Protein bekommst du fürs Geld

Und damit zum eigentlichen Aufhänger. Rechnet man die Rühl24-Proteinpulver auf den Preis pro Kilogramm reinem Eiweiß um, sieht das Bild so aus:

Produkt Preis Proteingehalt Preis pro kg Eiweiß
Milky Protein Isolat
Zero-L (1kg)
 21,95€  85%  ca. 26€
Whey Protein 
Konzentrat (1kg)
 27,95€  75%  ca. 37€
Whey Protein Isolat
90 (1kg)
 32,95€  88%  ca. 37€
Whey Protein Isolat
Zero-L (0,9kg)
 32,95€  90%  ca. 41€

Das Milchprotein liefert damit gut 40 Prozent mehr Eiweiß pro Euro als das hauseigene Whey Konzentrat und ist sogar günstiger als dieses, obwohl es nährwerttechnisch in der Isolat-Liga spielt. Eine 30-g-Portion mit gut 25 g Protein kostet etwa 66 Cent. Zum Vergleich: Beim laktosefreien Whey Isolat ZERO-L zahlst du für eine vergleichbare Portion rund 1,10 Euro. Wer seinen Eiweißbedarf über Shakes deckt und zwei Portionen am Tag trinkt, spart übers Jahr gerechnet einen mittleren dreistelligen Betrag.

Bemerkenswert ist dabei die Richtung, aus der dieser Vorstoß kommt. Während andere Marken ihr Whey mit günstigeren Proteinquellen strecken und das kleingedruckt auf der Zutatenliste verstecken, deklariert Rühl24 den Rohstoffwechsel offen im Produktnamen. Milky heißt hier tatsächlich Milchprotein, und genau so steht es auch drauf.

Fazit: Cleverer Konter, aber kein Whey-Ersatz für jeden

Das Milky Protein Isolat ist eine der sinnvolleren Antworten auf die Whey-Preis-Krise, die wir bisher gesehen haben. Statt am Produkt zu tricksen, wechselt Rühl24 transparent den Rohstoff und gibt den Preisvorteil an die Kunden weiter: 85 % Protein, laktosefrei, praktisch ohne Fett und Kohlenhydrate, für 21,95 Euro pro Kilo. Das ist aktuell ein Preis-Leistungs-Verhältnis, an dem sich die Konkurrenz messen lassen muss.

Trotzdem solltest du wissen, was du kaufst. Milchprotein verhält sich anders als Whey: Es verdaut langsamer, macht dickere Shakes und liefert etwas weniger Leucin pro Portion. Als Casein-lastiges Protein ist es ideal für die Diät, für zwischendurch oder abends, während eingefleischte Whey-Fans ihren schnellen Post-Workout-Shake vermutlich nicht komplett ersetzen wollen.  Auf dem Papier gilt aber: Wenn dich die Whey-Preise zuletzt geärgert haben, gehört dieses Produkt auf deine Liste.

Milky Protein Isolat Zero-L

Rühls Bestes

Milky Protein Isolat Zero-L

1000g

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