Whey-Preise: Nach der Preisexplosion folgt die Trendwende

Die vergangenen Monate waren für viele Whey-Käufer teuer. Besonders stark gestiegen sind die Preise für Whey-Proteinkonzentrat (WPC80), einen der wichtigsten Rohstoffe für klassisches Proteinpulver.

Wie extrem die Preisentwicklung tatsächlich war, zeigt ein Blick auf die Rohstoffpreise: Im Oktober 2025 kostete ein Kilogramm WPC80 noch rund 12,50 Euro. Im Juli 2026 erreichte der Preis etwa 27,50 Euro. Das entspricht einem Anstieg von 120 Prozent innerhalb von neun Monaten.

Mittlerweile zeichnet sich jedoch eine Trendwende ab. Laut dem Marktanalyseunternehmen Vesper ist der europäische WPC80-Preis Ende September 2026 innerhalb eines Monats um 18,5 Prozent gesunken. Anfang Oktober lag der Referenzpreis bereits bei rund 21 Euro pro Kilogramm.

Doch warum sind die Preise überhaupt so stark gestiegen? Und wann werden die sinkenden Rohstoffpreise endlich bei den Verbrauchern ankommen?
 

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Warum ist Whey Protein so teuer geworden?

Michael Bovelet ist seit rund 30 Jahren in der Sporternährungsbranche tätig und hat die Preisentwicklung der vergangenen Jahre aus nächster Nähe miterlebt. Für ihn lässt sich der enorme Preisanstieg nicht allein durch die gestiegene Nachfrage erklären.

Zwar sei der Markt für Proteinprodukte in den vergangenen Jahren kontinuierlich gewachsen, allerdings habe sich die Nachfrage seiner Einschätzung nach nicht annähernd so stark erhöht wie die Rohstoffpreise. Gleichzeitig seien die Produktionskapazitäten weitgehend gleich geblieben. Auch die Kosten für Personal, Energie und die Verarbeitung der Molke hätten sich nicht in einem Ausmaß verändert, das den enormen Preisanstieg erklären würde.

Bovelet vermutet deshalb, dass die Rohstoffhersteller die hohe Nachfrage auch genutzt haben, um ihre Gewinne zu steigern. Solange die Abnehmer bereit waren, die höheren Preise zu bezahlen, konnten diese am Markt durchgesetzt werden. Whey sei dadurch zunehmend zu einem wirtschaftlich besonders lukrativen Rohstoff geworden.

Ein häufig genanntes Argument für die steigende Nachfrage ist der Proteinboom im Lebensmittelhandel. Doch auch hier müsse man laut Bovelet genauer hinschauen: Viele proteinreiche Produkte im Supermarkt enthalten Milchprotein (MPC), das direkt aus Milch gewonnen wird, und nicht Whey-Protein (WPC), das aus Molke entsteht. Der wachsende Markt für Proteinprodukte lässt sich deshalb nicht vollständig auf eine steigende Nachfrage nach WPC80 übertragen.

Für Bovelet ist die Preisentwicklung letztlich vor allem eine Frage von Angebot und Nachfrage. Die hohe Nachfrage und die begrenzten Produktionskapazitäten hätten den Rohstoffherstellern Spielraum für höhere Preise gegeben. Mittlerweile scheint allerdings eine Grenze erreicht zu sein: Die hohen Verkaufspreise haben dazu geführt, dass Verbraucher weniger Whey kaufen.
 

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Michael Bovelet, Mitgründer von Bodylab24, spricht mit Supplemania über die Entwicklung der Whey-Preise und seine Prognose für 2027

Warum sinken die Whey-Rohstoffpreise jetzt wieder?

Nachdem die Rohstoffpreise monatelang gestiegen sind, zeichnet sich mittlerweile eine Trendwende ab. Der entscheidende Grund dafür ist laut Michael Bovelet die nachlassende Nachfrage. Viele Verbraucher sind offenbar nicht mehr bereit, die hohen Preise für Proteinpulver zu bezahlen, und reduzieren ihren Konsum oder greifen auf günstigere Alternativen zurück.

Das bekommen auch die Rohstoffhersteller zu spüren. Während weiterhin große Mengen WPC80 produziert werden, finden diese nicht mehr im gleichen Umfang Abnehmer. Die Folge: Das Angebot übersteigt zunehmend die Nachfrage und die Preise geraten unter Druck.

Auch Bodylab24 spürt die Kaufzurückhaltung. Im Interview mit Supplemania bestätigt Bovelet, dass der Absatz von Whey Protein beim Unternehmen zurückgegangen ist. Seiner Einschätzung nach verzichten viele Verbraucher nicht vollständig auf Proteinpulver, sondern trinken beispielsweise seltener einen Shake oder decken ihren Proteinbedarf verstärkt über andere Lebensmittel.

Interessant ist dabei auch die Entwicklung pflanzlicher Proteinpulver. Nach Angaben von Bovelet hat sich der Absatz von veganem Protein bei Bodylab im Vergleich zum Vorjahr verdreifacht. Allerdings relativiert er diese Zahl: Veganes Protein hatte zuvor einen deutlich kleineren Anteil am Gesamtabsatz. Der Zuwachs könne die rückläufigen Whey-Verkäufe deshalb nicht ausgleichen.
 

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Wann wird Whey Protein endlich wieder günstiger?

Die Rohstoffpreise sinken bereits deutlich. Doch wer jetzt auf sofort günstigere Proteinpulver hofft, muss sich laut Michael Bovelet noch etwas gedulden. Denn bis die niedrigeren Einkaufspreise bei den Verbrauchern ankommen, kann es mehrere Monate dauern.

Der Grund dafür liegt vor allem in den Lagerbeständen der Hersteller. Viele Unternehmen haben ihre Rohstoffe bereits vor Monaten eingekauft, teilweise zu deutlich höheren Preisen. Diese Bestände werden zunächst weiterverarbeitet und verkauft. Erst wenn neue Rohstoffe zu günstigeren Konditionen eingekauft werden, können die Hersteller ihre Verkaufspreise entsprechend anpassen.

Wie unterschiedlich sich solche Einkaufsentscheidungen auswirken können, zeigt das Beispiel Bodylab24. Laut Bovelet hatte das Unternehmen bereits vor der Preisexplosion größere Mengen Whey zu günstigeren Konditionen eingekauft. Dadurch konnte Bodylab die steigenden Rohstoffpreise teilweise abfedern und weiterhin Aktionspreise von rund 29,90 Euro pro Kilogramm anbieten. Wann die aktuell sinkenden Rohstoffpreise zu weiteren Preissenkungen bei Bodylab führen könnten, lässt er allerdings offen.

Bovelet rechnet damit, dass die Verbraucher frühestens ab dem zweiten Quartal 2027 auf breiterer Basis von sinkenden Whey-Preisen profitieren könnten. Einzelne Hersteller könnten allerdings schon früher reagieren, etwa wenn sie bereits günstigere Rohstoffe beziehen oder ihre bisherigen Lagerbestände schneller aufbrauchen.
 

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Könnte Whey Protein 2027 um 10 bis 20 Prozent günstiger werden?

Wie stark die Preise tatsächlich sinken könnten, hängt laut Bovelet vor allem davon ab, wie sich die Rohstoffkosten in den kommenden Monaten entwickeln.

Sollten die Preise für WPC80 weiter zurückgehen, hält er Preissenkungen von etwa 10 bis 20 Prozent bei fertigem Whey Protein für möglich.

Dabei ist allerdings wichtig: Sinkt der Rohstoffpreis beispielsweise um 25 Prozent, bedeutet das nicht automatisch, dass auch das fertige Proteinpulver um 25 Prozent günstiger wird.

Schließlich macht das Whey-Konzentrat nur einen Teil der Gesamtkosten aus. Hinzu kommen unter anderem die Kosten für Aromen, Verpackung, Abfüllung, Lagerung und Vertrieb.

Die von Bovelet genannten 10 bis 20 Prozent sind deshalb keine garantierte Preissenkung, sondern seine Einschätzung, wie sich der Markt bei weiter fallenden Rohstoffpreisen entwickeln könnte.

Whey-Preise 2027: Wie weit könnten die Rohstoffpreise noch fallen?

Während ein Kilogramm WPC80 zum Zeitpunkt des Interviews bei rund 20 Euro lag, hält Michael Bovelet für 2027 Preise zwischen 16 und 18 Euro pro Kilogramm für realistisch. Langfristig könnten die Rohstoffpreise seiner Einschätzung nach sogar auf 10 bis 15 Euro sinken.

Ein Grund für seine Prognose sind neue Produktionskapazitäten in Europa und den USA. Dort werde laut Bovelet in zusätzliche Anlagen zur Verarbeitung von Molke investiert. Sobald diese in Betrieb gehen, könnte das größere Angebot die Preise weiter unter Druck setzen.

Ob und wann diese Preisniveaus tatsächlich erreicht werden, hängt allerdings davon ab, wie schnell die neuen Anlagen ihre Produktion aufnehmen und wie sich die Nachfrage entwickelt.
 

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Werden auch Whey-Isolat und Clear Whey günstiger?

Nicht alle Proteinarten waren gleichermaßen von der Preisexplosion betroffen. Laut Michael Bovelet fiel der Preisanstieg bei Whey-Proteinisolat (WPI) deutlich geringer aus als bei Whey-Proteinkonzentrat (WPC80).

Auch bei den aktuellen Preisrückgängen zeigen sich Unterschiede: Laut dem Marktanalyseunternehmen Vesper sank der WPI-Rohstoffpreis Ende September innerhalb eines Monats um 7,9 Prozent, während WPC80 im gleichen Zeitraum um 18,5 Prozent günstiger wurde.

Da auch Clear Whey in der Regel auf Whey-Isolat basiert, lässt sich die Preisentwicklung von klassischem Whey-Konzentrat nicht unmittelbar auf diese Produkte übertragen. Ob und wie stark Whey-Isolat und Clear Whey künftig günstiger werden, bleibt deshalb abzuwarten.

Fazit: Wird Whey Protein 2027 endlich wieder günstiger?

Nach Monaten steigender Preise gibt es für Whey-Käufer endlich wieder Grund zur Hoffnung. Die Rohstoffpreise sinken deutlich und auch Michael Bovelet blickt optimistisch auf die weitere Entwicklung.

Seiner Einschätzung nach könnten Verbraucher ab dem zweiten Quartal 2027 auf breiterer Basis von günstigeren Proteinpulvern profitieren. Preissenkungen von 10 bis 20 Prozent hält er dabei für möglich.

Wie stark und wie schnell die Preise tatsächlich fallen, bleibt abzuwarten. Die aktuelle Entwicklung zeigt jedoch: Die Chancen auf günstigeres Whey stehen wieder deutlich besser.