Whey Protein wird teurer: Die Branche unter Druck

Die Whey Protein Rohstoffpreise sind auf einem Stand angekommen, der die gesamte Supplement-Branche zwingt, ihre Strategie zu überdenken. Einkaufspreise von über 20 Euro pro Kilogramm Rohstoff sind laut Brancheninsidern aktuell keine Seltenheit mehr. Das hat Folgen, die sich schon jetzt in der Lieferkette zeigen, und früher oder später auch in deinem Warenkorb ankommen werden.

Der Druck kommt in der Lieferkette an

Michi Bovelet, Gründer von Bodylab, hat die Lage auf den Punkt gebracht: Der Markt steht extrem unter Druck. Eine Einschätzung, die er nicht nur aus eigener Erfahrung als Hersteller zieht, sondern auch aus Gesprächen mit Dosenherstellern, also den Betrieben, die die Verpackungen für Proteinpulver produzieren. Deren Auftragsvolumen ist Ende März und Anfang April bereits merklich zurückgegangen, weil Abfüller und Marken weniger bestellen.


Das kann zwei Dinge bedeuten: Entweder werden tatsächlich schon weniger Produkte abgefüllt, oder die Lager der Hersteller sind noch voll und der Absatz läuft auf Vorrat. In jedem Fall sieht Michi Bovelet darin ein klares Signal für eine Trendumkehr beim Whey-Konsum insgesamt. Bestimmte Käuferschichten werden sich Whey Protein zum aktuellen Preisniveau schlicht nicht mehr leisten können oder wollen.

Strategie 1: Einfach den Preis erhöhen

Die naheliegendste Reaktion auf steigende Rohstoffkosten ist die direkte Weitergabe an den Endkunden. Viele Hersteller haben das in den letzten Monaten bereits gemacht. Wer regelmäßig Protein kauft, hat das im Warenkorb bzw. an der Kasse gemerkt.

Das Problem: Ab einem gewissen Preisniveau beginnt Whey Protein, Kaufinteresse zu verlieren. Nicht jeder Nutzer ist bereit, für ein Kilogramm Konzentrat 35 Euro oder mehr zu zahlen, wenn es günstigere Alternativen gibt. Die Preiselastizität in dieser Kategorie ist höher als vielen Herstellern lieb ist.

Strategie 2: Mit geringerer Qualität den Preis drücken

Eine andere Möglichkeit ist, auf weniger hochwertiges Whey Konzentrat umzusteigen. Whey-Konzentrate variieren stark in ihrer Verarbeitungstiefe: Weniger intensiv gefiltertes Konzentrat enthält mehr Kohlenhydrate und Fette aus der Milch, ist aber günstiger in der Herstellung.


Ein aktuelles Beispiel aus der Praxis liefert MyProtein: Das günstigste Produkt im Sortiment, das Essential Whey, kostet pro Kilogramm knapp 23 Euro, das klassische Impact Whey liegt rund 5 Euro höher. Beide sind als Whey Protein Konzentrat deklariert, unterscheiden sich aber offensichtlich in der Qualität der Rohware. Auf der offiziellen MyProtein-Seite kommt das Essential Whey im Schnitt auf 1,5 von 5 Sternen. Nutzer berichten über starkes Verklumpen, schlechte Löslichkeit und Verdauungsprobleme.
 


Das ist kein Qualitätskontrolle-Problem, sondern ein Rohstoff-Problem. Wenn die Basis schlechter ist, leidet die Verarbeitbarkeit. Und das spüren Kunden, auch wenn es auf der Verpackung nach demselben Produkt aussieht.

Die meisten namhaften Hersteller, mit denen wir auf der FIBO gesprochen haben, wollen diesen Weg nicht gehen. Thomas Schmitz, Produktentwickler bei MaxiNutrition, hat das klar formuliert: Die Qualität zu senken wäre das Schlechteste, was man in dieser Situation tun könnte.

Strategie 3: Whey mit anderen Proteinquellen mischen

Interessanter und aus Sicht vieler Hersteller zukunftsweisender ist der Ansatz, Whey Protein mit anderen Quellen zu kombinieren. Diese sogenannten Hybrid-Proteine oder Mehrkomponenten-Proteine waren lange eher ein Nischenthema und hatten in manchen Hersteller-Köpfen auch den Ruf des "billigen Streckmittels". Das ändert sich gerade.


Bodylab wird laut Michi Bovelet künftig deutlich aggressiver auf Hybrid-Proteinangebote setzen, also Mischungen aus Molkenproteinkonzentrat (WPC) mit Milchproteinkonzentrat (MPC), Sojaprotein oder Eiprotein. Was er selbst als einen gewissen Schritt zurück beschreibt, klingt aus Rohstoff-Kostenperspektive eher wie ein notwendiger Schritt nach vorne.

WPC steht für Whey Protein Concentrate, also Molkenproteinkonzentrat. Es entsteht als Nebenprodukt der Käseherstellung, wenn flüssige Molke gefiltert und getrocknet wird. Je nach Verarbeitungstiefe enthält WPC zwischen 70 und 85 Prozent Protein, der Rest sind Kohlenhydrate, Fette und Laktose aus der Milch. WPC ist die am häufigsten verwendete Proteinform in Whey-Pulvern, weil es vergleichsweise günstig herzustellen ist und gleichzeitig ein vollständiges Aminosäurenprofil liefert. Die Qualität schwankt je nach Rohstoff und Filtrationsprozess erheblich, was sich in Löslichkeit, Geschmack und Verträglichkeit bemerkbar macht.

MPC steht für Milk Protein Concentrate, also Milchproteinkonzentrat. Anders als WPC wird es direkt aus Magermilch gewonnen und enthält das gesamte natürlich vorkommende Protein der Milch: Rund 80 Prozent Casein und 20 Prozent Whey. Dadurch hat MPC ein anderes Verdauungsprofil als reines Whey. Während Whey sehr schnell ins Blut übergeht, wird Casein langsamer abgebaut und liefert über mehrere Stunden kontinuierlich Aminosäuren. MPC ist in der Rohstoffbeschaffung derzeit deutlich günstiger als WPC, was es für Hersteller als Mischkomponente in Hybrid-Proteinen gerade besonders attraktiv macht.


All Stars hat diesen Weg bereits beschritten und mit dem Muscle Protein ein reines Milchprotein-Produkt auf den Markt gebracht.

Das überraschendste Produkt der Saison: Markus Rühls Ei-Soja-Kombi

Einen besonders ungewöhnlichen Ansatz hat Markus Rühl still und leise auf den Markt gebracht. Sein Produkt setzt auf eine Mischung aus Eiprotein und Sojaproteinisolat, angereichert mit zusätzlichem Leucin. Das Ergebnis: 91 Gramm Protein auf 100 Gramm Pulver, ein starkes Aminosäurenprofil durch das gezielte Leucin-Boosting und ein Preis von 19,95 Euro pro Kilogramm.


Auf dem Papier ist das eine überzeugende Kombination. Eiprotein hat eine hohe biologische Wertigkeit, Soja liefert ein vollständiges Aminosäurenprofil und ist deutlich günstiger in der Beschaffung, und das zugesetzte Leucin ist für die Muskelproteinsynthese besonders relevant. Der Preis schlägt jedes aktuelle Whey Angebot dieser Proteinqualität.

Fazit: Die Whey-Ära wird nicht enden, aber sie verändert sich

Whey Protein bleibt die Benchmark für schnell verfügbares, gut verträgliches und bewährtes Protein. Daran ändert die aktuelle Rohstofflage nichts grundsätzlich. Was sich aber verändert, ist die wirtschaftliche Logik dahinter. Einkaufspreise von über 20 Euro pro Kilogramm Rohstoff machen reines Whey für viele Anbieter schlicht unattraktiv, wenn sie ihren Verkaufspreis nicht ins Absurde treiben wollen.

Was das für dich als Käufer bedeutet: Produkte, die weiterhin günstig sind, solltest du genauer unter die Lupe nehmen. Nicht jedes günstige Whey ist automatisch schlechter, aber die Wahrscheinlichkeit, dass da an der Rohstoffqualität gespart wurde, ist aktuell höher als sonst. Hybrid-Proteine sind kein Rückschritt, sondern oft eine ehrliche Antwort auf eine ehrliche Situation. Und wer offen für neue Proteinquellen ist, findet gerade einige spannende Optionen zu Preisen, die Whey momentan schlicht nicht schlagen kann.
 

Vergleiche Whey und weitere Kategorien in unserem Preisvergleich