Der Crank war jahrelang der Standard-Booster für viele Studiogänger. Genau das war zuletzt das Problem: Die Rezeptur stammte aus einer Zeit, in der 6.000 mg Citrullin-Malat und 200 mg Koffein noch ein Statement waren. Heute ist das der untere Rand dessen, was ein ernst gemeinter Booster mitbringt.
ESN hat beim Crank Pump Pro 2.0 bereits vorgemacht, wie so ein Update aussehen kann, und zieht jetzt beim Hauptprodukt nach. Dabei sind nicht nur die neuen Zutaten interessant, sondern auch, was in der neue Rezeptur rausgeflogen ist.
Hier stehen beide Versionen nebeneinander, jeweils pro Tagesportion:
| Zutat | Crank 1.0 | Crank 2.0 |
|---|---|---|
| L-Citrullin-Malat (2:1) | 6.000 mg | 6.000 mg |
| L-Arginin-AKG | 4.000 mg | / |
| L-Tyrosin | 1.000 mg | 1.000 mg |
| L-Glycin | 1.000 mg | / |
| Taurin | 1.000 mg | 2.000 mg |
| Glucuronolacton | 500 mg | / |
| Grüntee-Extrakt | 250 mg | 250 mg |
| Traubenkernextrakt | 250 mg | 250 mg |
| Koffein | 200 mg | 200 mg |
| Schizandra-Extrakt | 200 mg | 200 mg |
| Bitterorangen-Extrakt | 100 mg | 250 mg |
| - davon Synephrin | 6 mg | 15 mg |
| Ginsengwurzel-Extrakt | 100 mg | 100 mg |
| Rhodiola-Rosea-Extrakt | 100 mg | / |
| Schwarzer-Pfeffer-Extrakt | 4,2 mg | 2,1 mg |
| CITRAPEAK | / | 200 mg |
| AstraGin | / | 35 mg |
| Cholinbitartrat | / | 250 mg |
| - davon Cholin | / | 102 mg |
Das Arginin-AKG mit 4.000 mg klingt auf dem Papier nach dem größten Verlust, ist in der Praxis aber kaum einer. Oral zugeführtes Arginin wird zu einem großen Teil bereits im Darm und in der Leber abgebaut, bevor es überhaupt im Blutkreislauf ankommt. Genau deshalb hat sich Citrullin als Vorstufe durchgesetzt, weil es diesen Abbauweg umgeht und den Arginin-Spiegel zuverlässiger anhebt. Dass ESN hier streicht statt festzuhalten, ist die richtige Entscheidung.
Glucuronolacton und Glycin fallen ebenfalls weg. Beim Glucuronolacton kein großer Verlust, da die Trainingswirkung nur sehr dünn belegt ist. Glycin mit 1.000 mg war ohnehin so niedrig dosiert, dass es kaum ins Gewicht fiel.
Der schwarze Pfeffer-Extrakt wurde von 4,2 mg auf 2,1 mg halbiert, was vermutlich damit zusammenhängt, dass mit AstraGin jetzt ein zweiter Aufnahme-Verstärker in der Formel sitzt.
Taurin wurde auf 2.000 mg verdoppelt, das ist eine sinnvolle und praxisnahe Menge. Der Bitterorangen-Extrakt steigt von 100 mg auf 250 mg, der Synephrin-Gehalt liegt damit bei 15 mg pro Tagesportion statt bei 6 mg. Die Stimulanz-Seite der Formel wird also spürbar breiter aufgestellt, ohne dass ESN am Koffein selbst etwas geändert hat.
Mir ist das im Test nicht negativ aufgefallen, wer aber empfindlich auf Stimulanzien reagiert, startet hier besser mit einer halben Portion.
Neu sind außerdem 250 mg Cholinbitartrat mit 102 mg reinem Cholin. Cholin ist die Vorstufe des Neurotransmitters Acetylcholin und deshalb ein beliebter Fokus-Baustein. Ehrlich gesagt sind 102 mg dafür aber ziemlich wenig. Wer Booster mit Alpha-GPC oder CDP-Cholin kennt, bewegt sich dort in ganz anderen Größenordnungen. Die 102 mg schaden nicht, sind in meinen Augen aber der schwächste Punkt in der Rezepturänderung.
CITRAPEAK ist ein markenrechtlich geschützter Rohstoff des US-Zulieferers Prinova und besteht aus Glucosylhesperidin. Dahinter steckt Hesperidin, ein Flavonoid aus Zitrusschalen, das an Tapiokastärke gebunden wurde. Der Trick dabei ist die Löslichkeit: Hesperidin in seiner natürlichen Form löst sich in Wasser praktisch nicht, was die Aufnahme im Körper stark ausbremst. Laut Hersteller ist die glucosylierte Variante rund 100.000 Mal besser löslich und dadurch deutlich schneller verfügbar, mit einem Wirkeintritt innerhalb von etwa 30 Minuten. Das passt gut zum Anwendungsfenster eines Pre Workout Boosters.
Der Wirkmechanismus zielt auf die Stickstoffmonoxid-Produktion, also denselben Hebel, an dem auch Citrullin ansetzt, nur über einen anderen Weg. Mehr Stickstoffmonoxid bedeutet erweiterte Gefäße, mehr Blutfluss in die arbeitende Muskulatur, mehr Sauerstoff- und Nährstofftransport und damit einen besseren Pump im Training.
ESN hat sich die exklusiven Nutzungsrechte für CITRAPEAK in Europa gesichert. Kein anderer Hersteller auf dem europäischen Markt darf diesen Rohstoff aktuell verwenden. Das ist strategisch clever, weil es dem Crank 2.0 ein echtes Alleinstellungsmerkmal gibt, das die Konkurrenz nicht einfach nachbauen kann.
ESN behält die beiden bewährten Sorten Strawberry Kiwi und Tropical Punch und ergänzt zwei neue: Bubblegum und Red Sour Power. Alle vier habe ich in der gleichen Wassermenge angemischt und direkt nebeneinander probiert. Meine Bewertungen:
| Sorte | Bewertung |
|---|---|
|
Strawberry Kiwi |
8,5 / 10 |
|
Red Sour Power |
8 / 10 |
|
Bubblegum |
6 / 10 |
|
Tropical Punch |
5 / 10 |
Mein Favorit bleibt Strawberry Kiwi, und zwar aus einem konkreten Grund. Citrullin-Malat bringt von Haus aus eine deutliche Säure mit, an der viele Boostersorten scheitern. Die Kombination aus Erdbeere und Kiwi nimmt diese Säure auf, statt gegen sie anzukämpfen. Das harmoniert aus meiner Sicht einfach am besten.
Red Sour Power funktioniert nach demselben Prinzip und ist die beste der beiden Neuheiten. Die Säure ist hier bewusst Teil des Konzepts, das passt.
Bubblegum dagegen fand ich eher gewöhnungsbedürftig. Kaugummi-Aromen sind grundsätzlich schwierig, aber hier wirkt es extrem künstlich, fast schon parfümiert. Fürs einmalige Trinken fand ich es zwar besser als erwartet, zusammen mit der Citrullin-Säure ergibt sich aber eine Kombination, die ich mir nicht mehrmals pro Woche antun möchte.
Tropical Punch bleibt das Schlusslicht, ein diffuser Fruchtmix ohne klare Richtung, den könnte man aus meiner Sicht streichen.
Damit der Vergleich etwas taugt, habe ich den Crank 2.0 immer am selben Trainingstag eingesetzt, nämlich am Push-Tag, und das über drei Einheiten hinweg. Gleicher Split, gleiche Übungsreihenfolge, gleiche Tageszeit, jeweils rund 25 Minuten vor dem ersten Satz.
Die Fokusformel wirkt solide, ohne in einen Koffein-Overflow zu kippen. Das ist mir besonders aufgefallen, weil ich in letzter Zeit oft einfach einen Energy Drink vor dem Training getrunken habe. Der Unterschied ist deutlich: Beim Energy Drink bin ich wach, beim Crank 2.0 bin ich fokussiert. Die 200 mg Koffein zusammen mit Tyrosin und den Pflanzenextrakten erzeugen ein Gefühl, bei dem ich zwischen den Sätzen gefühlt nicht so schnell versucht war, aufs Handy zu schauen.
Die eigentliche Überraschung ist der Pump. Bei 6.000 mg Citrullin-Malat, also gut 4.100 mg reinem Citrullin, hätte ich mit einem soliden, aber unspektakulären Ergebnis gerechnet. Stattdessen war die Fülle im Muskel bei Butterfly und Trizepsdrücken am Kabel stärker als bei manchen dedizierten Pump Boostern, die ich mit deutlich höheren Citrullin-Mengen getestet habe. In allen drei Einheiten gleich, nicht nur an einem guten Tag. Die naheliegende Erklärung ist CITRAPEAK, weil das der einzige neue Inhaltsstoff mit einem Wirkmechanismus in diese Richtung ist. Belegen kann ich das im Selbsttest natürlich nicht, aber die Rezeptur gibt sonst nicht her, warum der Pump so viel besser sein sollte als in Version 1.0.
Was der Crank 2.0 nicht macht: Dich wegschießen. Es gibt kein Beta-Alanin, also auch kein Kribbeln im Gesicht und die Stimulanz-Ladung bleibt in einem Rahmen, in dem man abends noch schlafen kann, wenn man nicht gerade um 20 Uhr trainiert.
Der ESN Crank 2.0 ist ein rundes Update, das die richtigen Baustellen angefasst hat. Alte Zutaten wie Arginin-AKG und Glucuronolacton sind raus, Taurin wurde verdoppelt, und mit CITRAPEAK sitzt ein Rohstoff in der Formel, den in Europa vorerst nur ESN verwenden darf. Genau der sorgt aus meiner Sicht dafür, dass der Pump bei vergleichsweise moderaten 6.000 mg Citrullin-Malat überraschend gut ausfällt.
Einzuordnen ist er als solider Allrounder für alle, die einen spürbaren Effekt fürs Training wollen, sich aber nicht mit einem Hardcore-Booster wegscheppern möchten.
Vom neuen Bubblegum-Geschmack würde ich aber eher abraten, beim Strawberry Kiwi passt das Gesamtpaket.

ESN
260g