Der Nutri-Score bewertet keine „Gesundheit“

 

Was viele nicht wissen: Der Nutri-Score ist keine allgemeine Gesundheitsbewertung. Er dient ausschließlich dazu, Produkte innerhalb einer sehr eng definierten Produktkategorie miteinander zu vergleichen.

Ziemlich deutlich wird das zum Beispiel bei Grillsaucen: Eine Currysauce mit Nutri-Score C wird ausschließlich mit anderen Currysaucen verglichen. Eine Barbecue-Soße oder eine Ketchup-Variante fällt bereits in eine andere Kategorie und kann nicht direkt gegenübergestellt werden, selbst wenn beide nebeneinander im Regal stehen.

Das erklärt, warum ein vermeintlich „ungesundes“ Produkt im Score relativ gut abschneiden kann: Es ist lediglich die bessere Option innerhalb seiner Kategorie.

Größter Kritikpunkt: Kennzeichnung ist freiwillig

 

Ein weiterer, oft kritisierter Punkt: Der Nutri-Score ist freiwillig. Hersteller sind nicht verpflichtet, ihn auf ihre Produkte zu drucken.

Das führt zu einem offensichtlichen Selektionsproblem: Produkte, die rechnerisch ein D oder E erhalten würden, verzichten häufig komplett auf die Kennzeichnung. Für Verbraucher:innen entsteht dadurch ein verzerrtes Bild – denn im Regal sieht man vor allem die Produkte, die vom Nutri-Score profitieren.

Wie wird der Nutri-Score eigentlich berechnet?

Die Berechnung basiert auf einem Punktesystem pro 100 Gramm bzw. 100 Milliliter. Dabei werden ungünstige und günstige Nährstoffe gegeneinander aufgerechnet.

Negative Punkte gibt es unter anderem für:

  • Energie (Kalorien)
  • Zucker
  • gesättigte Fettsäuren
  • Salz bzw. Natrium
     

Positive Punkte werden vergeben für:

  • Ballaststoffe
  • Proteingehalt
  • Anteil an Obst, Gemüse, Hülsenfrüchten und Nüssen
     

Am Ende ergibt sich eine Gesamtsumme, die in einen Buchstaben von A bis E übersetzt wird. Wichtig: Dieses Ergebnis gilt immer nur innerhalb der jeweiligen Produktkategorie.

Das große Nutri-Score Update ab 2026

Ab 2026 greift eine überarbeitete Version des Nutri-Score-Algorithmus – mit einigen relevanten Änderungen.

Streng genommen gelten die neuen Regeln zur Nährwertbewertung bereits seit dem 31. Dezember 2023. Allerdings gibt es eine Übergangsfrist von bis zu 24 Monaten für Produkte, die bereits vorher auf dem Markt waren.

Das bedeutet: Bis Ende 2025 dürfen viele Hersteller weiterhin den alten Nutri-Score verwenden. Erst ab 2026 wird das neue System flächendeckend sichtbar.

1. Bessere Bewertung der Fettqualität

Bisher wurde beim Fettgehalt kaum zwischen gesättigten und ungesättigten Fettsäuren unterschieden. Das führte zu problematischen Ergebnissen: Produkte mit hohem Fettanteil aus ernährungsphysiologisch günstigen Quellen wie Olivenöl, Nüssen oder Samen konnten einen schlechteren Score erhalten als stark verarbeitete Alternativen.

Mit dem neuen Algorithmus wird die Fettqualität deutlich stärker berücksichtigt. Ungesättigte Fettsäuren wirken sich künftig weniger negativ aus als gesättigte – ein längst überfälliger Schritt aus ernährungswissenschaftlicher Sicht.

2. Abwertung von Süßstoffen in Getränken

Ebenfalls neu: Süßstoffe wie Aspartam oder Acesulfam-K in Getränken führen künftig zu einer pauschalen Abwertung um einen Score-Punkt.

Das betrifft vor allem Light- und Zero-Getränke, die bisher teilweise sehr gut abgeschnitten haben, obwohl sie kaum ernährungsphysiologischen Mehrwert liefern. Die Änderung soll verhindern, dass stark gesüßte – wenn auch kalorienarme – Getränke als „gesunde Wahl“ wahrgenommen werden.

3. Größere Bedeutung von Ballaststoffen

Passend zum aktuellen Ernährungsdiskurs spielen Ballaststoffe künftig eine größere Rolle in der Bewertung. Produkte mit einem hohen Ballaststoffgehalt können dadurch gezielt Punkte gutmachen – insbesondere relevant für Brot, Cerealien und pflanzliche Alternativen.

Fazit: Orientierungshilfe mit klaren Grenzen

 

Der Nutri-Score kann beim schnellen Vergleich ähnlicher Produkte helfen – mehr aber auch nicht. Er ersetzt weder einen Blick auf die Zutatenliste noch ein grundlegendes Ernährungsverständnis.

Das Update ab 2026 behebt einige der größten Schwächen, insbesondere bei der Fettbewertung und bei Süßstoffen. Dennoch bleibt der Nutri-Score ein vereinfachtes Modell, das immer im Kontext betrachtet werden sollte.

Die entscheidende Frage bleibt: Soll ein einzelner Buchstabe wirklich darüber entscheiden, wie wir Lebensmittel bewerten – oder ist er nur ein erster Anhaltspunkt?